• Hundekunde

Silvester- und jetzt?

Für uns heißt es neue Vorsätze, doch für die meisten Vierbeiner bedeutet dieser Tag Stress pur!


 

Mit einem Feuerwerk verabschieden wir traditionell das alte Jahr und heißen das neue willkommen. Für die Tierwelt ist das jedoch jedes Jahr aufs Neue eine wahnsinnig stressige Zeit, denn sie wissen ja nicht, was da passiert und weshalb. Die lauten Geräusche, der Geruch in der Luft und auch die sichtbaren Raketen am Himmel können Fluchtreaktionen hervorrufen.


 

Gutes Management, Ablenkung und gezielte Unterstützung durch uns Menschen können deinem Hund helfen, gelassener mit der Situation umzugehen. Deshalb gibt es hier ein paar Tipps!


Management:

  • Bitte lasst eure Hunde vor und auch kurz nach Silvester IMMER an der Leine. Der gelassenste Hund kann sich bei einem unerwarteten Knall erschrecken und im schlimmsten Fall weggelaufen!

  • Wähle den Ort für Spaziergänge so, dass du dich einer Umgebung befindest, in der du dir relativ sicher sein kannst, dass nicht geknallt wird.

  • Ansonsten wähle Uhrzeiten, zu denen es eher unwahrscheinlich ist, dass geschossen wird- am besten früh morgens oder vormittags.


Notfallmaßnahmen, wenn dein Hund sich doch erschrickt:

  • Entferne dich vom Knall-Ort! Es ist gut möglich, dass noch ein Knall folgt.

  • Rennen! Laufe mit deinem Hund los und biete ihm die Flucht als Bewältigungsmöglichkeit an. Achte bitte darauf, dass deine Stimmung hier nicht panisch ist.

  • Dein Hund spielt gerne? Laufe ein kleines Stück und spiele mit deinem Hund.

  • Wenn dein Hund immer fressen kann, kannst du ihn damit ablenken, z.B. Lecken an der Futtertube oder eine Futtersuche im Gras oder Schnee (beides lenkt den Hund ab und wirkt beruhigend).

  • Dein Hund freut sich über Berührungen? Dann ist jetzt die Zeit dafür, um gekuschelt zu werden! Eine sanfte Massage hilft deinem Hund, sich wieder zu entspannen.

  • Bleibe gelassen und optimistisch! Dein Hund braucht dich jetzt als sicherer Ankerpunkt. Da bringt es ihm nichts, wenn du selbst nervös wirst.

  • Nach einem Schreck braucht dein Hund Erholung. Gönne ihm diese.


Weitere Tipps:

  • Wenn es für dich möglich ist, fahre mit deinem Hund weg in ein knallfreies Gebiet, z.B. ein abgelegener Parkplatz.

  • In welchem Raum sind kaum Geräusche zu hören? Am besten haltet ihr auch da auf, bevor es losgeht. Ein laufender TV, Radio oder Musik kann ebenfalls helfen. Lasse die Jalousien herunter, um die Lichteffekte zu minimieren.

  • Mache es dir gemütlich und sei entspannt, so fällt es deinem Hund leichter, auch entspannt zu bleiben.

  • Lenke vom Krach ab. Wähle etwas, was dein Hund sehr gerne mag, z.B. Spielen, Massage, Kauartikel, Futterspielzeug oder auch bereits erlernte Tricks ausüben.

  • Auch ein Adaptil-Stecker oder -Halsband kann deinem Hund helfen, sich zu entspannen. Diese Produkte enthalten Pheromone, welche die Mutterhündin rum um die Zitzen bildet. Erhältlich sind sie bei deinem Tierarzt oder z.B. auch bei Fressnapf.

  • Auch ein sogenanntes Thundershirt kann deinen Hund unterstützen. Das ist sozusagen ein sehr enger Body. Der Druck, welcher durch das Thundershirt erzeugt wird, wirkt sehr beruhigend.


Wenn dies alles nichts nützt, empfehlen wir dir eine Geräusche-Desensibilisierung, wie wir sie dir auch in unserer Instagram-Story gezeigt haben (ist nach wie vor in den Story-Highlights zu finden).



Systematische Desensibilisierung und Gegenkonditionierung beim Hund


Bei der systematischen Desensibilisierung wird einem Hund seine Angst auf sanfte Weise genommen. Dabei wird er Schritt für Schritt an den Angstauslöser herangeführt, sodass er sich an ihn gewöhnt. Bei der Geräusche-Angst wird der auslösende Reiz, wie z.B. Silvesterknaller, in einem Video kontrolliert ganz leise abgespielt. Hier wird dann stetig die Lautstärke gesteigert. Aber Vorsicht! Diese Trainingsmethode ist nicht von heute auf morgen durchführbar. Es dauert oft wochenlang, bis der Reiz keine Angst mehr auslöst. Man benötigt für eine systematische Desensibilisierung viel Zeit, Geduld, Ausdauer und in der Regel professionelle Unterstützung durch einen spezialisierten Hundetrainer oder Tierpsychologen. Außerdem ist ein sensibles Händchen gefragt, denn es kommt auf die richtige Dosierung der Konfrontation mit dem Angstauslöser an. Sobald die Fortschritte zu schnell angestrebt werden, kann es zu Rückschlägen und sogar zur Verschlechterung kommen.


 

Du kannst dich gerne bei uns melden, wenn dein Vierbeiner eine starke Geräusche-Angst hat und du gemeinsam daran arbeiten möchtest.

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